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Roman Kim & Barbara Scheuch-Vötterle (CEO Bärenreiter)

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Roman Kim im Gespräch zu Gast bei Bärenreiter

Foto © Ira Weinrauch

Die Grenzen sind
noch lange nicht erreicht
Bärenreiter präsentiert innovatives Bach-Arrangement von Roman Kim

Der junge Geigenvirtuose Roman Kim (23) hat mit seiner Transkription von Johann Sebastian Bachs „Air“ im Internet für Furore gesorgt. Durch das Video mit der fulminanten, mehrstimmigen Einrichtung des bekannten Stücks für sein Soloinstrument wurde auch die Fachwelt auf den jungen Geiger aufmerksam. Schließlich entschloss sich der renommierte Musikverlag Bärenreiter dazu, die Notenausgabe der Transkription zu drucken und im April 2015 auf der Internationalen Musikmesse in Frankfurt zu präsentieren.

Ein ungewöhnlicher Schritt in einer Zeit, in der Urtext-Ausgaben dominieren und Transkriptionen sowie Arrangements eine untergeordnete Rolle spielen, wie auch Dr. Wendelin Göbel, Bärenreiter-Verlagsleiter, bestätigt: „Bearbeitungen, einschließlich der Arrangements eigener oder fremder Werke, die von bedeutenden Komponisten wie Bach, Mozart oder Brahms stammen, spielen quantitativ in unserem Verlag eine geringe Rolle, einfach weil es gar nicht so viele gibt. Wir haben bisher vereinzelt Arrangements klassischer Musik publiziert, Bearbeitungen aus dem 20. und 21. Jahrhundert aber eher selten. Wenn sie gut gemacht sind, dann nehmen wir sie gerne in die Planung auf, denn dafür gibt es auch einen Markt.“

Bei der Entscheidung, Kims Arrangement zu verlegen, spielten vor allem künstlerische Fragen eine Rolle: „Viele große Geiger haben Volkslieder arrangiert, bearbeitet und Variationszyklen daraus gemacht“, unterstreicht Clemens Scheuch, Mitglied der Geschäftsleitung von Bärenreiter. „Aber ein bekanntes Orchesterstück wie Bachs «Air» so zu konzentrieren, dass es auf die vier Saiten einer Geige passt – das ist wirklich etwas Neues und spieltechnisch so schwierig und hochstehend, dass wir es unbedingt verlegen wollten. Bei Roman Kim stimmt einfach das ganze Paket zu hundert Prozent. Sein spielerisches Niveau ist derart sensationell – da bleibt einem doch erst einmal der Mund offen stehen. Als Verlag sprechen wir in erster Linie die Profis an und glauben, dass sie diese Ausgabe kaufen werden. Der Reiz von Kims Arrangement wird für viele Geiger auch darin bestehen, dass erst beim Erlernen des Notentextes die verborgenen Hürden erkennbar werden. Und so manches Mal wird daran erinnert, dass das Scheitern zum Übungsprozess gehört.“

Für die Verlegerin Prof. Barbara Scheuch-Vötterle ist Qualität oberstes Prinzip: „Musik sollte, wenn sie gut ist, auch in einem guten Musikverlag zu finden sein. Was zum Beispiel der Jazzpianist Jacques Loussier mit Bach gemacht hat, ist doch fantastisch! Warum also soll man die Komponisten als heilige Kuh hinstellen und sagen: daran darf man nicht rütteln! Wichtiger ist es doch, dass man junge Leute für klassische Musik begeistern kann – über welchen Weg auch immer.“

Es bestehen gute Chancen, dass gerade junge Musiker sich dem technisch anspruchsvollen Arrangement stellen und auf die Bärenreiter-Ausgabe zurückgreifen werden. Immerhin hat der Verlag mit einer Reihen wie „Ready to play“ schon seit langem auch die jungen Kunden im Blick und wendet sich explizit mit dem Gedanken, die Hausmusik neu zu beleben, an die jüngeren Konsumenten. Und die gehören auch auf den Videoplattformen, in denen Kim sein Arrangement erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt hat, zu seinen größten Fans. Dort wird dem Geiger auch oft die Frage gestellt, wie er auf die Idee gekommen ist, eines der bekanntesten Werke der Musikliteratur ausgerechnet als sein erstes Kompositionsprojekt in eine verteufelt schwierige Transkription zu verwandeln. „Eines Tages hörte ich Bachs „Air“ in einer Interpretation des Amsterdamer Barockorchesters. Auch wenn ich die Musik schon lange kannte und mich vor allem sehr für Polyphonie interessiere, hat mich das Stück durch diese Erfahrung noch einmal ganz neu gepackt und inspiriert. Deswegen habe ich sofort zu meiner Geige gegriffen und habe probiert, ob es technisch nicht möglich wäre, wenigstens Haupt- und Bass-Stimme gleichzeitig auf der Geige zu spielen. Als ein Freund dazukam, meinte er scherzhaft, ich sollte doch lieber versuchen, gleich alle vier Stimmen zu spielen. Das war der Auslöser.“

Doch es soll nicht allein bei dieser Komposition bleiben, verrät Roman Kim. In der Schublade liegt bereits ein weiteres Bach-Arrangement – die „Badinerie“ aus Bachs 2. Orchestersuite. Dabei handelt es sich sogar um ein fünfstimmiges Arrangement. „Da das Original für Flöte und Streicher ist, wollte ich auch die unterschiedlichen Klangfarben darstellen“, erklärt der junge Geiger. „Um die Flöte nachzuahmen, habe ich die von mir entwickelte Doppelflageolett-Technik eingebaut, weil es mit den traditionellen Flageoletts, die alle von der Geige kennen, in diesem komplizierten Fall überhaupt nicht klappen würde“, sagt Kim lachend und fügt hinzu: „Dazu kommen noch Pizzicati in den mittleren Stimmen und die separat mit dem Bogen ausgeführte Basslinie. Ein paar Ideen für die Transkription der „Kleinen Nachtmusik“ von Mozart habe ich schon im Kopf und den „Erlkönig“ von Schubert werde ich auch bearbeiten.“

Roman Kim beschränkt sich allerdings nicht darauf, nur fremde Werke für sein Instrument zu arrangieren: „Bis jetzt habe ich drei Romanzen geschrieben, die auch schon im Internet zu hören sind. Dort kann man auch meine Fantasia „I Brindisi“ über Themen aus «La Traviata» finden, die ich Paganini gewidmet habe“, sagt Kim über sich als Komponist. Außerdem schreibt er auf Paganinis Spuren gerade ein eigenes Violinkonzert. Paganini spielt für Kim nicht nur als technischer Innovator eine zentrale Rolle. Auch als Komponist inspiriert ihn Paganini, die Klangmöglichkeiten seines Instruments beständig auszuweiten. Wenn er darauf angesprochen wird, dass er der legitime Nachfolger Paganinis sei, wiegelt Kim jedoch ab: „Paganini war für mich schon immer als Künstler und Person ein Idol. Umso mehr fühle ich mich gefordert und zugleich natürlich auch geschmeichelt. Trotzdem ist für mich das wichtigste, meine eigene künstlerische Identität zu erhalten und neue Horizonte zu erobern. Ich bin der Meinung, dass in einer Zeit, in der Viele meinen, technisch sei auf der Violine nichts neues mehr möglich, noch lange nichts alles gesagt ist. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, die Grenzen sind noch lange nicht erreicht.“
Quelle: © Helikon Artists
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Fotos:
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Shane Shu
Susanne Diesner